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Whistleblower
Nach vielen Arbeitsjahren als Journalist, parlamentarischer Berater im Landtag, angehender Wissenschaftler und studentischer Politiker an der Universität oder kurz im Ministerium, egal wo ich gearbeitet habe, alle Institutionen verdammten mich zum Schweigen.
An der Universität wurde ich gezwungen, eine Stillschweigevereinbarung zu unterschreiben, weil die Ergebnisse meiner Bachelorarbeit die Öffentlichkeit erschrecken könnten.
Im Ministerium hörte ich in Meetings, wie Umweltstraftaten totgeschwiegen werden sollten, und doch durfte ich vertraglich nicht über sie reden und schreiben.
Im Landtag beriet ich als Umweltwissenschaftler Politiker, wurde aber an mehreren Fronten förmlich zum Schweigen verpflichtet. Selbst die Landtagsverwaltung ließ mich als Referenten separat antanzen, und stellte mir die Sanktionsliste vor, sofern ich nicht über Interna schweigen würde, wie etwa die Strafgesetzbuchsparagraphen § 133, § 201, § 203, § 204 oder § 353.
Wenn ich als Journalist Interviews führte, zum Beispiel in Mainz zu meinen Recherchen rund um die Entsorgungsfirma Knettenbrech & Gurdulic, erzählten die meisten Betroffenen zwar mehr oder weniger offenherzig über die Missetaten, direkt danach hörte ich aber den Nachsatz: „Aber meinen Namen will ich nicht in der Zeitung sehen.“
Im privaten Bereich hörte ich vom Vater meines Nachbarn, wie er die Tochter meines Nachbarn sexuell belästigt. Auch viele andere Freunde, Bekannte und sogar erweiterte Familienmitglieder taten Dinge, die sie nicht durften, erzählten mir diese Dinge aber, wohingegen ich zum Mitwisser wurde. Einmal anvertraute mir ein Studentenvertreter, dass er ein Zwiegespräch mit einem Professor heimlich mitgeschnitten hatte. Sollte ich sie nun allesamt verpetzen?
Nach 2020 übte sich der Staat in Zensur und Repression, weil ihm Kritik an den Coronamaßnahmen zu viel wurde.
Über die Jahre hat sich bei mir ein Gefühl entwickelt, dass Geheimnisse zwar ihre teils berechtigte Schutzfunktion haben, aber dass diese Schutzfunktion zu oft für Missetaten missbraucht wird. Ich bin der Überzeugung, dass dieser Zustand insgesamt mehr Nachteile als Vorteile mit sich bringt.
Heute bin ich überzeugt: Wo (Ver-) Schweigen herrscht, sind Korruption und Bestechlichkeit nicht weit. – Und ich glaube an die Werte Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit. Daher unterstütze ich seit dem Jahre 2020 verstärkt Whistleblower.